Hörbuch-Auswahl.de

Mehr hören. Mehr erleben.

Fred Düren, Jörg Gudzuhn, Dieter Mann: „Goethes Faust I+II“ (1968/2004)

Am: | September 3, 2009

Es ist bereits über zwanzig Jahre her, dass man Fred Düren auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlins sehen konnte. Mitte der 1980er Jahre ging er von der DDR nach Israel. Er hängte somit 40 Jahre Schauspielerei an den Nagel, wurde Rabbiner und widmete sich fortan tätiger Menschenliebe und der Suche nach religiöser Erleuchtung.

1968 spielte er den Faust in der Inszenierung von Adolf Dresen und Wolfgang Heinz. Die damalige Aufführung kurz nach der Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Truppen des Warschauer Paktes war gezeichnet von einer allgemeinen Desillusionierung der fortschrittlichen Reformkräfte in der DDR.

Adolf Dresen erinnert sich: „Ich glaubte nicht mehr daran, dass es mit der DDR oder dem Sozialismus noch gut enden könne. Der „positive Held“ sah jetzt anders aus. Düren war ein solcher positiver Held, sein Heldentum war die kompromisslose menschliche Wahrheit. Er war der Faust für diese Zeit. Da wurden auch unsere Klassiker zu Helden der neuen Art, nicht mehr Matadore von Weiheveranstaltungen, sondern Klassiker als Widerstand.

Bei den Kulturfunktionären stieß Dresens Inszenierung auf heftige Kritik. Allzu deutlich unterschied sich seine Aufführung von dem allgemeinen Verständnis des Klassikers. Und so gab es über 60 Änderungswünsche auf der Liste, die die Kulturbehörde der DDR dem Deutschen Theater vorlegte. Man arrangierte sich, doch der „Faust“ blieb trotz der Änderungen in seinem Grundanliegen auch während der 118 Abende im Spielplan unverändert.

1968 war man auch der Meinung, dass Fred Düren als Faust eigentlich zu jung sei. Aus diesem Vorwurf und der Frage, wie Fred Düren den Faust wohl heute – gut 40 Jahre später – spielen würde, entstand das Projekt, das zu der Produktion des vorliegenden Hörbuches führte.

Fred Düren war 40, als er 1968 den Faust spielte. Als er 2004 aus Israel vorübergehend in seine zweite Wahlheimat nach Berlin zurück kehrte, entstand der Plan, dem Faust/Düren von 1968 einen zweiten Faust/Düren von 2004 gegenüber zu stellen. Natürlich war nicht an eine ganze Inszenierung zu denken, und so fand man die Lösung in einer Studioaufnahme.

Zugeschnitten auf den zentralen Konflikt und die treibenden Kräfte in Goethes „Faust“, wurde eine radikale Strichfassung von Faust I+II hergestellt. In ihrer Konzentration auf die Auseinandersetzung zwischen Mephisto und Faust öffnet sie den Blick auf bis heute bewegende Menschenfragen nach Sinn und Fortschritt in der Geschichte, nach den moralischen Implikationen geschichtlichen Handelns und nicht zuletzt nach der Zukunft der menschlichen Gesellschaft.

Jörg Gudzuhn als Mephisto und Dieter Mann als Sprecher der Zwischentexte begleiten Fred Düren als Faust in diesem einzigartigen Hörerlebnis. Die Textcollage wird musikalisch verbunden durch die einfühlsamen Kompositionen von Tobias Morgenstern. Unter der Regie von Gerda Zschiedrisch entstand diese Aufnahme im November 2004 in Berlin.

Im Eulenspiegel-Verlag ist nun dieses Hörbuch mit zwei CDs und Begleitheft im Schuber erschienen.

Autor: Fred Düren, Jörg Gudzuhn, Dieter Mann
Titel: “Goethe Faust I+II”
Medien: 2 CDs, Begleitheft mit 145 Seiten
Verlag: Eulenspiegel Verlag
ISBN-10: 3359010779
ISBN-13: 978-3359010777

Bei AMAZON kaufen

Bei LIBRI kaufen





Suche

Kategorien


Feed abonnieren

Podcast abonnieren

Links

  • Belletristiktipps.de - Mehr lesen. Mehr erleben. | Unser Rezensionsportal für belletristische Bücher
  • Kulturbuchtipps.de - Mehr lesen. Mehr wissen. | Unser Rezensionsportal für Bücher aus den Kultur- und Geisteswissenschaften